2. Korinther 2 – Unterschiedliche Düfte (Predigt vom 25.08.2012)

Im Folgenden das Konzept der zweiten Predigt aus der Reihe über den zweiten Korintherbrief. Zum Nacharbeiten ist es glaube ich ganz gut geeignet. Viel Segen Euch!

Unterschiedliche Düfte (2. Kor. 2)
Mission als Herzenasangelegenheit: Gott zum Wohlgeruch

Ob die Menschen nun die Botschaft annehmen und gerettet werden oder sie ablehnen und verloren gehen: Durch Christus sind wir ein Wohlgeruch für Gott. (2. Kor. 2, 15)

0  Einleitung

Zur Situation in Korinth: Tränenbrief. — Was wir schon gehört haben: Paulus spricht über Trost. — Nun: Paulus rechtfertigt sich. — Dazu: (1) Wir gehen ein Stück in Kapitel 1 zurück. (2) Ein paar (fiktive) Fragen der Korinther und die (ihm in den Mund gelegten) Antworten von Paulus. — [ Warum: Wir sind schnell (Zeit für Teil 2); wir verstehen den Gedankengang des Paulus etwas besser; wir lesen den ganzen Text. ]

1  Rückblick

Frage: Warum kommt Paulus nicht nach Korinth? Er hatte doch (siehe K1,V15+16) geplant vorbeizukommen.

Unterfrage: War sein Vorhaben leichtfertig? Oder anders formuliert: War sein Vorhaben fleischlich? Also von menschlichen Begierden geprägt? (K1,V17)

Antwort: Nein, wie könnte das der Fall sein? Paulus kann doch nicht »Ja« und »Nein« zugleich sagen. Er kann nicht, weil Christus eindeutig das »Ja« Gottes zu allen seinen Verheißungen uns gegenüber ist. — Interessante Begründung!

Wir sehen also: Paulus begründet sein Nicht-Kommen ziemlich interessant. — Kurzer Einschub: D. A. Carson hat ein Buch dazu geschrieben, dass wir mehr so beten sollten, wie die Schreiber der Bibel. Ich denke, dass Römer 12,2 (Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.) letztlich auch meint, mehr so zu denken, wie die Schreiber der Bibel. Lasst uns also von den Begründungen des Paulus lernen.

[ Ich beanspruche nicht, im Folgenden den Gedankengang des Paulus vollständig darzustellen. 😉 ]

2  Q&A mit Paulus

Frage: Paulus, warum bist Du denn jetzt nicht Korinth gekommen, sondern hast diesen Brief geschrieben?

Antwort: Zu dieser Frage wollte ich ohnehin gerade kommen: Zurück zu meinem Plan, euch zu besuchen. Gott weiß, dass ich nur deshalb nicht wieder nach Korinth gekommen bin, weil ich euch schonen wollte. Ich rufe ihn als Zeugen dafür an; mein Leben soll verwirkt sein, wenn ich nicht die Wahrheit sage. (2. Kor. 1,23; NGÜ)

Frage: Wie, »Du wolltest uns schonen«??? Bist Du etwa unser »Herr«, vor dem wir zittern und für dessen »Schonung« wir dankbar sein müssen.

Antwort: Halt, halt! Wenn ich von Schonung spreche, soll das nicht den Anschein erwecken, als wären wir eben doch Herren über euren Glauben. Wir sind nur Mitarbeiter, und unser Ziel ist es, zu eurer Freude beizutragen. Was den Glauben betrifft, steht ihr ja auf festem Grund. [Oder: Durch den Glauben steht ihr ja auf festem Grund] (2.Kor. 1,24; NGÜ) Aber lasst es mich etwas genauer erklären: Ich hatte mich also entschlossen, nicht noch einmal einen Besuch bei euch zu machen, der nur Schmerz und Traurigkeit zurücklässt.*Denn wenn ich euch traurig mache, wer bleibt mir dann, um mich wieder froh zu machen? Doch nur diejenigen, die ich traurig mache! (2. Kor. 2,1+2; NGÜ)

Frage: Ja, und warum schreibst Du dann diesen Brief der Tränen?

Antwort: Genau darum ging es mir mit meinem Brief: Ich wollte nicht kommen und erleben müssen, dass die mich traurig machen, die mir eigentlich Freude bereiten sollten. (Und weil ich euch allen vertraue, bin ich der festen Überzeugung: Wenn ich mich freue, freut ihr euch alle mit.) *Im Übrigen schrieb ich euch voller Ängste und unter vielen Tränen, und es war mir dabei schwer ums Herz. Aber ich hatte nicht die Absicht, euch weh zu tun, im Gegenteil: Ich wollte, dass ihr erkennt, wie überaus groß meine Liebe gerade euch gegenüber ist. (2. Kor. 2,3+4; NGÜ)

Frage: Wieso, Paulus, sollten wir Dich denn traurig machen?

Antwort: Es gibt immer noch viele Missstände in Eurer Gemeinde. Zum Beispiel ist da einer, der hat nicht zuallererst mich sondern Euch traurig gemacht; aber es bereitet mir Sorgen, wie Ihr mit ihm umgeht. (vgl. 2. Kor. 2,5) Aber eigentlich ist Eure Frage so nicht ganz richtig. Denn ihr habt ja keinen Grund zu behaupten, dass ich Euch traurig gemacht hätte; wenn euch aber jemand traurig gemacht hat (2. Kor 2,5; ELB), dann war es der Typ, über den ich jetzt kurz reden möchte: Dem Betreffenden genügt diese Strafe von den meisten der Gemeinde, *so dass ihr im Gegenteil vielmehr vergeben und ermuntern solltet, damit der Betreffende nicht etwa durch allzu große Traurigkeit verschlungen werde. *Darum ermahne ich euch, zu beschließen, ihm gegenüber Liebe zu üben. (2. Kor. 2,6–8; ELB)

Frage: Und der Brief, Paulus? Warum hattest Du uns da über diesen Mann geschrieben?

Antwort: Denn dazu habe ich auch geschrieben, dass ich eure Bewährung kennenlernte, ob ihr in allem gehorsam seid. Aber noch einmal zurück zu dem Vergeben: *Wem ihr aber etwas vergebt, dem vergebe auch ich; denn auch ich habe, was ich vergeben habe – wenn ich etwas zu vergeben hatte –, um euretwillen vergeben vor dem Angesicht Christi, *damit wir nicht vom Satan übervorteilt werden; denn seine Gedanken sind uns nicht unbekannt. (2. Kor. 2,9-11; ELB)

Frage: Was, bitte, heißt »übervorteilen«?

Antwort: Man findet: »sich auf Kosten eines anderen einen Vorteil verschaffen durch Ausnutzung seiner Unwissenheit, Unaufmerksamkeit« (Duden). Wir können es auch mit »überlistet« (EÜ), »übers Ohr gehauen werden« (outwitted, ESV) oder »in die Falle gehen« (NGÜ) übersetzen.

Frage: Und was hat der Satan (und das »übers Ohr gehauen Werden«) jetzt überhaupt mit unserer Debatte über Vergebung (und Gemeindezucht) zu tun?

Lasst mich an dieser Stelle den Kommentar von Werner de Boor lesen, der auch noch einmal zusammenfasst, was dieser Text für uns heute Bedeuten kann:

»Die Gemeinde hat einen Todfeind. Wo Unrecht getan, wo gekränkt und Betrübnis angerichtet wird, da ist er auf dem Plan. Diesem Todfeind liegt nichts an dem Unrecht als solchem. Er hat ganz andere ‚Gedanken‘, die ein Paulus ‚nicht verkennt‘. Satan will das Gemeindeleben selbst angreifen lähmen und wenn möglich zerstören. Das ist die Gefahr bei solchen Vorkommnissen wie in Korinth, daß böse Dinge nicht durch Vergebung und neue Liebe wirklich ausgeräumt und geheilt werden, sondern in Bitterkeit und Mißtrauen verborgen weiterschwelen und das Gemeindeleben vergiften. Dann findet Satan immer neue Möglichkeiten, seines Einwirkens in seinem eigensten, bösen Wesen. Darum lag es Paulus an der gründlichen Bereinigung dieses ganzen Falles und darum war ihm alles persönliche Leid dabei unwichtig.« (Wuppertaler Studienbibel, 1994)


Zwischenworte

Ok, im Prinzip sind wir durch – mit Teil 1. Glücklicherweise habe ich nur zwei Teile.  [Aber immer mit der Ruhe, der nächte Teil hat 4 Teile, wobei 3 davon mindestens 2 Unterpunkte haben. Ihr kommt also auf Eure Kosten.] — Wir haben ja noch ein paar Verse in dem Kapitel übrig; diese sollen mein Hauptaugenmerk bekommen.

Paulus berichtet nun also weiter von seinem Vorgehen. An Verse 12 und 13 schließen sich von der Abfolge der Geschehnisse her die Verse 5 bis 7 aus Kapitel 7 an. Interessanterweise berichtet Paulus auch dort davon, dass sein »Fleisch keine Ruhe« hatte, nämlich der Gemeinde in Korinth wegen.

Wir sehen also, dass Paulus sich sehr um die Korinther gesorgt hat. Er wollte sie unbedingt sehen, und etwas von ihnen hören. Auch hier an unserer Stelle ist das so. Er hatte ja Titus nach Korinth gesandt und dieser sollte ihm nun berichten. Dafür hatten Paulus und Titus sich in Troas verabredet, aber Titus kam nicht so schnell, wie Paulus es gerne gehabt hätte und daher zog Paulus ihm entgegen nach Mazedonien. Aber lasst uns selber lesen:

Als ich aber zur Verkündigung des Evangeliums Christi nach Troas kam und mir eine Tür geöffnet wurde im Herrn, *hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder, nicht fand, sondern ich nahm Abschied von ihnen und zog fort nach Mazedonien. *Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzug umherführt in Christus und den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Ort durch uns offenbart! *Denn wir sind ein Wohlgeruch Christi für Gott unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren gehen; *den einen ein Geruch vom Tod zum Tode, den anderen aber ein Geruch vom Leben zum Leben. Und wer ist dazu tüchtig? *Denn wir treiben keinen Handel mit dem Wort Gottes wie die meisten, sondern wie aus Lauterkeit und wie aus Gott reden wir vor Gott in Christus. (2. Kor 2,12–17; ELB)


3  Unterschiedliche Düfte

Feststellung: Manchmal ist es von Gott gewollt, dass wir eine offene Tür nicht nutzen, weil Gott will, dass wir an andere Orte ziehen. Das kann auch bei Dir der Fall sein: Vielleicht möchte Gott Dich nicht hier in der Gemeinde haben, obwohl Du hier viel bewirken könntest und die Tür anscheinend offen ist. Vielleicht möchte Er, dass Du hinaus in die Welt gehst?!

Paulus hat sehr mit der Frage nach seiner Autorität zu kämpfen, muss sich oft vor den Korinthern rechtfertigen (wie wir vorhin ja auch schon gesehen haben). Man könnte fast meinen, Paulus macht diesen so wertvollen Einschub nur, weil er diese Frage hier schon kommen sieht: »Paulus, wie kann ein Apostel des Herrn so unruhig und mit so viel Not (später in Kapitel 7) umherziehen? Ist nicht der Weg eines Gesandten Gottes immer ein Triumph?«

Und ein Glück (oder besser: welche Gnade von Gott) ist es, dass Paulus diesen Einschub macht:

Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzug umherführt in Christus und den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Ort durch uns offenbart! (2. Kor 2,14; ELB)

3.1 Der Triumphzug

Hier ist doch der Triumph! Denn Gott führt und im Triumphzug umher. Aber Achtung: Das meint höchstwahrscheinlich nicht das, was viele von Euch jetzt denken (und was ich auch zuerst gedacht habe).

Was nun heißt dieses Bild? Ich habe länger damit gekämpft und bin der Überzeugung, dass aus dem Kontext nur eine von vielen vorgeschlagenen Interpretationen richtig ist. Leider haben wir heute nicht die Zeit, das gemeinsam zu besprechen; man lernt wirklich viel dabei.

So viel an dieser Stelle: Das Wort, welches Paulus hier benutzt θριαμβεύοντι (von θριαμβεύω) kommt (wenn auch in anderer Form) nur noch in Kolosser 2,15 vor:

Die Mächte und Gewalten, die diesen Schuldschein gegen uns geltend machen wollten, hat er entwaffnet und vor aller Welt zur Schau gestellt, er hat sie in seinem Triumphzug mitgeführt [– und das alles in und durch Christus.] (GNB)        [letzterer Teil besser: und das alles am Kreuz Christi!]

Hier triumphiert Gott über »die Mächte und Gewalten«, ja über den Teufel. Aber wir sollten den Unterschied betrachten: hier geht es um ein »in Christus im Triumphzug Mitführen«.

Wie die Gewalten und Mächte werden auch wir von Gott besiegt. Er überwindet unsere Sünde, unsere Rebellion. Er erweist sich als Triumphator über uns. Aber wir sind eben nicht nur Besiegte, sondern nun »in Christus« und damit Träger der guten Nachricht. Gott hat sie uns ja ins Herz geschrieben, als Er über uns gesiegt hat; nun sind wir zwar Besiegte (um dem Ruhm und Sieg Gottes zu verkünden) aber zugleich freudige und willige Diener. John Piper formuliert das so:

In anderen Worten: Paulus wurde besiegt und gefangen genommen; aber er wurde zum Glauben gebracht und ihm wurde vergeben, er wurde gerechtfertigt und zu einem glücklichen und willigen Diener des höchsten Generals, den es je gab, gemacht. Paulus war „in Christus“ und das macht den Unterschied aus.[1]

Warum benutzt Paulus so ein – nicht nur für uns – schwieriges Bild? Noch einmal Piper:

Paulus sucht also ein Wortspiel (ein Bild) aus, was ihn in zweierlei Hinsicht beschreibt: als zu dem großen Sieger gehörend und als einen besiegten Feind, dessen Dienst für den König es ist, zu leiden und schwach zu sein und für ihn zu sterben – eben in einem Triumphzug als bezwungener Feind mitgeführt im Dienste des Königs.[2]

Der Triumph, den die Korinther fordern, nimmt Paulus also sofort als Anlass, über seine eigene Unzulänglichkeit zu sprechen.


Einschub

Worauf ich hier nur ganz kurz eingehen kann, ist die Form. Paulus muss seine Schwachheit in den Versen 12 und 13 bekennen. Und dann bricht er in Lob aus, die hier vor uns liegenden Verse sind eine Doxologie / ein Lobgesang.  Er kann nicht anders, als Gott zu loben. Grammatisch heißt es eigentlich »Gott aber Dank, dem allzeit uns im Triumph Mitführenden in Christos und den Duft seiner Erkenntnis Offenbarenden durch uns an jedem Ort.« (Münchener NT)

Es dreht sich also sofort und nur noch um Gott. Lasst uns auf unsere Leiden und unsere Schwachheit auch so reagieren wie Paulus: Gott loben!

Aber wir haben ja auch noch ein zweites Bild: Paulus dankt nicht nur dem Gott, »der jederzeit über uns triumphiert in Christo« (P. Bachmann. In: T. Zahn, 1918, S. 130), sondern auch dem (selben) Gott, der »den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Ort durch uns offenbart.« Das zweite Bild ist also: Der Geruch seiner Erkenntnis wird durch uns offenbart.

3.2 Geruch

3.2.1 Ein Christus-Wohlgeruch für Gott — Das Evangelium

Gott aber sei Dank, der … den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Ort durch uns offenbart!

Denn wir sind ein Wohlgeruch Christi [wörtlich: Christus-Wohlgeruch] für Gott unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren gehen; (2. Kor. 2,14 f.; ELB)

Diese Wendung erinnert stark an Epheser 5,2, wo es heißt, dass »Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Opfergabe und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch

Nicht zuallererst für die Welt ist das Leben des Paulus ein Wohlgeruch, sondern zuallererst für Gott. Was Paulus also hier sagt ist eigentlich: »So wie die Leiden des Christus ein Wohlgeruch für Gott waren, so sind auch unsere Leiden um des Evangeliums willen ein Wohlgeruch für ihn.« (vgl. Piper, s.o.)

Vielleicht wartet ihr schon darauf, dass ich zu meinem Lieblingsteil der Predigt komme. Ich liebe es, in der Vorbereitung immer und immer wieder das Evangelium studieren zu müssen. Jetzt darf ich es wieder mit euch teilen. Diese faszinierende Botschaft, die in so vielen unterschiedlichen Bildern ausgedrückt wird. Ich richte mich heute mal nach dem vorgegebenen Bild: ein Wohlgeruch für Gott.

Ich glaube, es ist nicht verkehrt, das Evangelium etwa wie folgend zu beschreiben:

Gott, der perfekt ist und sich von Ewigkeit her an Seinem Sohn erfreut, schuf diese Welt, damit sie ihm Freude bereiten würde. Aber wir brachten nicht die Anbetung, die ein Wohlgeruch für Gott ist, sondern die Sünde, die stinkt. Gott verabscheut diesen Geruch und die Sünde bringt uns in die Hölle, die ewige Verdammnis. Aber in Seiner Gnade hat Gott Seinen Sohn gesandt, – nicht damit er ein bisschen Duft in der Welt spenden würde, sondern – damit Er der Wohlgeruch an unserer statt sein sollte! Glauben wir nun daran, dass das Kreuzes-Werk Jesu alle Sünden hinwegnimmt, so sind wir in Christus ein Wohlgeruch für Gott. Nicht indem wir gute Werke tun, sondern indem wir immer wieder den Geruch Christi schätzen, ehren wir Gott. Verlassen wir uns auf Ihn allein, so wird auch die Welt das bemerken und wir werden somit ein Wohlgeruch für die Menschen um uns herum.

Der Vater zerschlägt Jesus am Kreuz und das ist ein Wohlgeruch für ihn!?! Alle Sünde ist weggewaschen, das Opfer ist als wohlgefällig [als Wohlgeruch] angenommen. (!)

3.2.2 An jedem Ort

Was für eine Botschaft! Paulus schreibt davon, dass diese Botschaft (also der Wohlgeruch der Erkenntnis Christi) durch ihn und seine Begleiter (es könnte auch sein, dass er die Gemeinde meint) »an jedem Ort« offenbart wird. Damit meint er hier natürlich zunächst nicht jeden Ort, sondern jeden Ort, an dem sie sind. Aber ich glaube, Gott hat vor uns durch dieses Wort noch etwas Weiteres mitzuteilen: diese Botschaft ist so großartig, dass sie an wirklich jedem Ort gehört/gerochen werden sollte.

Es scheint mir, dass wir um die unerreichten Völker zu wenig Sorge haben. Ob Paulus in Troas hätte bleiben sollen, möchte ich nicht entscheiden. Aber ich glaube – wie ich vorhin schon sagte – es sollte uns nachdenklich machen. Nachdenklich machen auch darüber, ob wir die Gemeinde Jesu so sehr lieben, dass wir gehen und neue Christen hinzugewinnen.

Gerade wir Jugendlichen sind noch so frei, haben kaum Bindungen hier. Ich sage nicht, dass wir von heute auf morgen gehen sollten, aber lasst uns schon jetzt damit beginnen, darüber nachzudenken, ob es nicht einmal dran ist, unsere Sichere Umgebung zu verlassen und hinaus zu gehen. Hinaus ins Leid, hinaus in die Schwierigkeiten, hinaus – aber auch –, um die schönste Botschaft der Welt zu verkünden und die hohe Berufung entgegenzunehmen »das Evangelium zu verkündigen, nicht da, wo Christus genannt worden ist« (Röm. 15,20)

Und auch Paulus geht auf zwei Komponenten ein, die – wie Piper m. E. treffend formuliert – herzzerreißende Auswirkung und die herzerfreuende Auswirkung.

3.3 Mission hat Auswirkungen

Denn wir sind ein Wohlgeruch Christi für Gott unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren gehen; *den einen ein Geruch vom Tod zum Tode, den anderen aber ein Geruch vom Leben zum Leben. (2. Kor. 2,15+16a)

3.3.1 Herzzerreißende Auswirkungen

Wie kann das Evangelium ein Wohlgeruch für die Verlorengehenden sein? Diese Frage drängt sich sofort auf. Und noch viel schlimmer: Wie kann es ein Wohlgeruch für Gott sein, wenn sein Evangelium für manche Menschen einfach nur stinkt?

Erst einmal wird es unser Herz zerbrechen, dass wir die Botschaft des Evangeliums nicht immer als Geruch des Lebens verkündigen werden. Es wird Menschen geben, die Gott nicht annehmen wollen. Das Opfer Christi am Kreuz »stinkt ihnen« und sie werden letztlich verlorengehen. Sie werden verlorengehen, weil sie die Bedeutung des Opfers Christi nicht verstanden haben.

Auch Du wirst verlorengehen, wenn Du Jesus nicht Herr und Retter Deines Lebens sein lässt. Wenn der schönste Geruch den Du kennst nicht das Opfer Christi ist, nicht die Botschaft des Evangeliums ist, dass Du mit Gott versöhnt sein darfst durch den Tod Jesu, dann gibt es nur eine Hoffnung für Dich: Bekehre Dich, oder Du gehst verloren. Du sollst nicht nur »Ja und Amen« zu dem Evangelium sagen; der Text zeigt doch ganz klar, dass Du das Evangelium, dass Du Gott selbst von Herzen lieben muss, dass Du ganz auf ihn vertrauen musst – denk nur mal über das Wort »Geruch« nach.

Wenn wir also das Evangelium verkündigen – hier in unserem Umfeld, dort beim Kurzaufenthalt im Ausland, oder (wie – so glaube ich – einige von uns es tun werden) als Missionare –, dann werden wird unser Herz daran zerbrechen, dass diese Botschaft von manchen nicht angenommen wird.

Dass es Gott ein Wohlgeruch ist, wenn sein Evangelium von einigen nicht angenommen wird, mögen wir kaum glauben. Aber der Text sagt es uns recht deutlich. Gott offenbart sein Wesen auch darin, dass diejenigen, die diese Botschaft der Gnade ablehnen verlorengehen müssen!

3.3.2 Herzerfreuende Auswirkungen

Aber – nicht um den vorigen Satz zu relativieren – seht einmal, mit mir gemeinsam, worum es Paulus hier eigentlich geht.

Dazu brauchen wir ein bisschen Rhetorikkenntnisse, aber keine Angst: ein bisschen!

Paulus nutzt hier einen Chiasmus oder auch »Kreuzstellung« genannt. Nein, ich möchte jetzt nicht interpretieren, dass das auf das Kreuz Christi hinweist; das wäre etwas weit hergeholt. Vielmehr hat diese rhetorische Figur eine Bedeutung: Das eine wird betont, weil es zum Beginn und zum Ende kommt, das andere ist ein Einschub.

Denn wir sind ein Wohlgeruch Christi für Gott unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren gehen; *den einen ein Geruch vom Tod zum Tode, den anderen aber ein Geruch vom Leben zum Leben. (2. Kor. 2,15+16a)

Das heißt, Paulus betont Ausdrücklich die freudige Komponente.

Wenn wir das Evangelium Christi verkündigen, werden dort einige Menschen sein, die es annehmen. Es werden Leute kommen und sagen, dass sie neues Leben haben. Ihnen war das Evangelium, die Erkenntnis Gottes ein »Geruch vom Leben zum Leben«. Sie werden hinzugetan zur Gemeinde und werden einmal in die Herrlichkeit Christi eingehen. So wie wir auch!

3.4 Wie werden wir ein Wohlgeruch?

Wer ist dazu tüchtig? Wer kann eine solche Aufgabe übernehmen, solche Wirkungen in die Welt zu tragen? — Paulus antwortet auf zwei Weisen:

3.4.1 Nicht aus uns selbst

Die erste Antwort kommt zwar erst etwas später, ist aber von der Wortwahl her so ähnlich, dass es passend ist, sie hier zu erwähnen:

Nicht dass wir von uns aus tüchtig wären, etwas zu erdenken als aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit ist von Gott. (2. Kor. 3,5)

3.4.2 Kriterien

Die zweite Antwort ist etwas anders geartet: Obwohl Gott es ist, der uns befähigen muss, so gibt es doch – wie oft in der Bibel – einige Anhaltspunkte, welche Anzeichen das in unserem Leben haben wird:

Denn wir treiben keinen Handel mit dem Wort Gottes wie die meisten, sondern wie aus Lauterkeit und wie aus Gott reden wir vor Gott in Christus. (2. Kor. 2,17)

Paulus nennt also in gewisser Weise Kriterien, wie wir ein Wohlgeruch für Gott an jedem Ort sein können:

(1)  Wir verfälschen die Bibel nicht: Das Wort Gottes ist wichtiger als Geld

(2)  Wir verfälschen die Bibel nicht: Sondern wir

  1. reden aus Lauterkeit (Wahrheitsliebe/Klarheit und Offenheit zugleich),
  2. reden aus Gott (nicht nur von Gott beauftragt, sondern unsere Authorität kommt auch von Gott und wir reden die Worte Gottes),
  3. reden vor Gott (fürchten Gottes Gericht mehr als das der Menschen, sehnen uns nach seiner Zustimmung mehr als nach der der Menschen),
  4. reden in Christus (bekommen unsere Kraft aus Christus, unsere Hoffnung auf Wirksamkeit unserer Rede ist Christus).

Möge Gott uns Gnade geben, wie wir gelesen haben

»Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott: *Nicht dass wir von uns aus tüchtig wären, etwas zu erdenken als aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit ist von Gott« (2. Kor. 3,4+5),

uns ganz auf ihn zu werfen – und zugleich daran zu arbeiten richtig mit der Bibel umzugehen.


Abschluss

Wie können wir ein Wohlgeruch für Gott und zugleich unter den Menschen sein?

Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über die Hoffnung in euch fordert, (1. Petr. 3,15b)

Hoffnung ist die Antwort, denn Hoffnung vertraut auf Gott und Menschen sehen, worauf wir vertrauen.

Wie bekommen wir Hoffnung?

Denn alles, was früher geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben. (Röm. 15,4)

Möge Gott uns also noch so viel tiefer in die Wahrheiten seines Wortes einsteigen lassen, auf dass wir dadurch in der Hoffnung auf Ihn wachsen und dadurch Zeugnisse für unsere Umwelt sind.

Und möge Gott die Herzen derjenigen berühren, deren missionarisches Umfeld hier zwar offen steht, aber die er viel lieber als Licht an anderen Orten dieser Welt hätte.

Uns sei dadurch eine große Freude – Ihm sei die Ehre und die Freude an uns, die wir Sein Wohlgeruch sein dürfen.

Amen.


[1] In other words, Paul was defeated and taken captive; but he was brought to faith and forgiven and justified and made a glad and willing servant of the greatest General who ever was. Paul was “in Christ” and that makes all the difference. (John Piper, The aroma of Christ among the Nations) [Alle Übersetzungen: Jörn Hägele]

[2] So he chooses a word picture that describes him both as belonging to a great victor, and as a conquered enemy whose service of the king is to suffer and look weak and even die for him—led in triumphal procession as a defeated foe in the service of the king. (John Piper, The aroma of Christ among the Nations; Hervorhebungen: JH)

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