Silvesterfreizeit 2012/13 – Ruth 3

Auf dem Feld

Streben nach dem Willen Gottes – Reinheit in Allem (Rut 3)

Ich bin Rut, deine Magd. Breite den Zipfel deines Gewandes über deine Magd, denn du bist der Löser.  (Rut 3,9b)

0 Einleitung

Wir können diesen Text heute nicht verstehen, wenn wir nicht unsere Vorstellungskraft nutzen. Wenn wir rein logisch an diesen Text herangehen – was ich meist recht gerne tue – werden wir nicht empfinden können, was dieser Text uns wirklich zu sagen hat.

Ich möchte uns alle heute in zwei ganz praktische Anwendungen dieser uns gut bekannten Geschichte mit hineinnehmen.

Zuerst, so glaube ich, möchte der Text uns etwas in Bezug auf heutige Beziehungsanfänge sagen. Weiter geht es um Strategien, den Willen Gottes zu tun.

1 Meine Beziehung zu Kiki

[…] (Persönliche Ausführungen)

Ob diese Anwendungen für Euch hilfreich sind oder nicht; für mich ist dies eine Geschichte der Hoffnung.

2 Wir sind schon gerettet

Bevor wir uns die zweite Anwendung ansehen, muss ich einen Teil einschieben. Das liegt nicht daran, dass Ihr diesen Teil unbedingt braucht (was auch der Fall ist), sondern vielmehr daran, dass ich diesen Teil unbedingt brauche, da ich selber sonst die zweite Anwendung falsch verstehe.

Wenn ich mir nicht immer wieder bewusst mache, dass meine Rettung nicht in mir liegt, sondern in Jesus Christus, dann nehme ich Anweisungen aus dem Wort Gottes nicht auf, indem ich sage »Gott hilf mir, Deinen Willen zu tun«, sondern indem ich denke »Wenn ich das jetzt nicht tue, dann steht es um mich als Christ ganz schlecht, ob ich dann noch gerettet werden kann«.

Versteht Ihr, was hier passiert? Ich setze nicht all mein Vertrauen auf Jesus. Ich meine sogar, dass Er mich gar nicht retten könnte, weil ich ja so schlechte Dinge tue. Aber das ist doch völliger Schwachsinn. Wenn ich einfach immer wieder die Großartigkeit Gottes vor Augen hätte, dann könnte ich allem Bösen in meinem Leben, in meinem Umfeld, ja in meinem Herzen mit Seiner Größe begegnen. Nicht indem ich meine, ich sei groß (oder ich sei klein – beides tut’s nicht), sondern indem ich auf Gott allein vertraue, werde ich gerettet: Bin ich gerettet und werde ich von all den Sünden in meinem Leben Schritt für Schritt befreit und am Ende, wenn Jesus wiederkommt, auch völlig befreit.

Es ist essentiell, dass wir nicht predigen, dass »wer die Mitgliedschaft unterschrieben hat, in den Himmel kommt«. Nur weil jemand sagt, dass er Christ ist, ist er es noch lange nicht. Wir müssen – denn Glaube ohne Werke ist Tot – in unserem Leben von Gott verändert werden. Und das wird man sehen. Aber wir werden dadurch verändert, dass wir unser ganzes Leben, Tag für Tag, auf Gott selbst ausrichten und auf Ihn bauen!

Wenn wir nun also zu Anwendung 2 kommen, so dürft Ihr wissen, dass ich zuallererst mir selbst predige. Und ich hoffe, ich kann Euch mit der Hoffnung anstecken, die ich habe, dass Jesus mein Retter ist, der auch in diesem Punkt dafür sorgen wird, dass ich Seine Herrlichkeit und Heiligkeit widerspiegel – obwohl ich in diesem Bereich wahrscheinlich mehr falsch gemacht habe (und falsch machen werde?) als die meisten von Euch.

3 Strategien, den Willen Gottes zu tun

Es geht um Strategien, den Willen Gottes zu tun, d. h. um Pläne, wie wir in unserem Leben das tun, was Gott von uns möchte. Oder noch anders formuliert: Es geht darum, sich die Frage zu stellen, wie Gott in meinen Träumen, Plänen und Wünschen an erster Stelle steht, wie ich in meinen Plänen und Träumen schaffe, zuerst Gottes Willen zu suchen.

Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, dass wir am Ende des Jahres, kurz vor Beginn des neuen Jahres, darüber reden. In dieser Zeit machen wir viele Pläne, haben viele Träume.

Wir müssen erkennen, was es heißt, den Willen Gottes zu tun – und uns dann unbedingt für das neue Jahr vornehmen, so zu leben! Wenn wir keine Strategien haben, etwas zu tun, dann werden wir kläglich scheitern. Bauen wir den Willen Gottes nicht geplant in unser Leben ein, so werden wir ihn sehr wahrscheinlich nicht tun!

Auch wenn wir diese Anwendung an dem Beispiel der Beziehung von Rut und Boas durchgehen, so sind die Ausmaße viel weitreichender. Es wird vor allem darum gehen, Strategien zu entdecken, Reinheit zu wahren.

Für alle, die in einer Beziehung sind – und insbesondere für mich selbst –, ist wahrscheinlich das Umsetzen des allgemeinen Prinzips genau in diesem  Punkt am schwersten.

Und so ermutige ich Euch alle, darauf zu hören, aber auch immer einen Schritt allgemeiner zu denken. Diese Anwendung funktioniert auch in jedem anderen Bereich, in dem Du mit Sünde zu kämpfen hast: Es ist wichtig den Willen Gottes geplant in unser Leben einzubauen.

Lasst uns den Text zunächst noch einmal lesen, damit wir wissen, wovon wir reden.

3.1 Wer macht Pläne?

Wie gerade eben schon ein bisschen durchblickte, müssen wir Hoffnung haben, um zu planen. Noomi hatte in Kapitel 1 die Hungersnot erlitten und wollte ihren Namen in Mara ändern lassen, aber der Geschichtenerzähler lässt in Kapitel 2 eine Hoffnung aufwachsen, die auch in Noomi selber (und in Rut ganz bestimmt) immer größer wird. Und was passiert, wenn wir Hoffnungsvoll sind? Wir fangen an zu planen, zu träumen, Großes für die Zukunft zu erwarten.

Wir brauchen also zuerst Hoffnung in Gott. Und wenn du heute hoffnungslos kommst, dann sage ich Dir, dann sage ich mir: Bei Gott sind wir nicht hoffnungslos verloren, bei Gott sind wir nicht hoffnungslos in unseren Sünden gebunden; Er hat Kraft uns zu retten!

3.2 Was für Pläne?

Wir müssen etwas zwischen den Zeilen lesen, um die planenden Gedanken von Noomi, Rut und auch von Boas zu entdecken.

3.2.1 Noomi

Verse 1-4:   Ich möchte, dass Du einen gottesfürchtigen Mann findest, einen Ruheort.
Du kennst Boas nun schon von der Arbeit vom Feld.
Er ist ein naher Verwandter.
Mach Dich schön (bisher kanntet ihr euch nur von der Arbeit) und mach das Ernte-Fest zu einem Fest ganz anderer Art, indem Du zu ihm kommst.

3.2.2 Rut

Man könnte nun meinen Rut ist nur der ausführende Arm des Planes der Schwiegermutter. Aber dem widerspricht der Text vehement. Beachten wir z. B. nur:

Vers 9: Noomi sagt, sie soll darauf warten, was Boas sagt.
Rut hingegen sagt zu ihm

»So breite den Saum deinen Gewandes über deine Magd aus, denn du bist Löser«.

Rut tut alles, was Noomi gesagt hat, aber sie tut mehr. Rut hat einen eigenen Plan.__

Und dieser Plan beinhaltet etwas Erstaunliches. Zumindest ist es im 21 Jahrhundert erstaunlich: Reinheit.

Wenn man den Text auf sich wirken lässt und die Szene, die hier stattfindet, dann kann man ein bisschen verstehen, warum manche Ausleger Noomi gerne unterstellen würden (manche sogar Rut) gerade deswegen auf die Tenne zu gehen, weil Boas verführt werden sollte, damit er dann dazu gezwungen ist, Rut zu heiraten. Wir sehen aber recht leicht, dass das einfach Schwachsinn ist.

Rut plant schon vorher, in Reinheit bei Boas zu sein. Und setzt es dann in voller Disziplin um. Das sehen wir zum Beispiel daran, dass die Worte, die Rut spricht, geplant sein müssen. Sie sagt nämlich:

So breite den Saum Deines Gewandes [oder im Hebräischen auch: Deine Flügel] über deine Magd aus. (Rut 3,9b)

Und in Kapitel 2 sagt Boas zu Rut:

Der Herr vergelte dir dein Tun, und dein Lohn möge ein voller sein von dem Herrn, dem Gott Israels, zu dem Du gekommen bist, um unter seinen Flügeln Zuflucht zu suchen! (Rut 2,12)

Und Rut nimmt darauf jetzt Bezug. Scheinbar haben Noomi und Rut diesen Satz von Boas als Andeutung verstanden. Und wenn Boas ihn wirklich als Andeutung gemeint hat, so wird er auch den Satz nun von Rut (in Kapitel 3, Vers 9) verstehen.

Rut möchte hier also keineswegs irgendwelche sexuellen Anspielungen machen. Auch, dass sie sich an sein Fußende legt, hat nichts mit Anmacherei zu tun, sondern zeigt die Unterordnung Ruts und die Demut in ihrer Bitte an Boas.

Der Plan von Rut beinhaltet also Reinheit. Er ist darauf ausgerichtet, den Willen Gottes in Allem, auch im »ganz Alltäglichen« zu tun.

3.2.3 Boas

Bleibt noch zu klären, inwieweit Boas einen Plan hat und inwieweit wir von ihm lernen können.

Zuerst noch einmal zum Punkt der Reinheit. Er wird von Rut überrascht und dennoch reagiert er sehr angemessen. Ich glaube kaum, dass Boas sich auf solche eine Situation vorbereitet hat. Was vielmehr der Fall war: Er lebte ständig mit Gott und daraus floss in dieser Situation seine Reaktion – Reinheit.

Boas ist jetzt an dem Moment, wo wir wahrscheinlich stehen: Er hat Hoffnung gefunden. Seine Planungen machen den Rest der Geschichte aus.

Und so möchte auch Gott unsere Planungen, unsere Träume nutzen, um Sein Reich zu bauen. Lasst uns durch diese Predigt wieder neu Hoffnung in Gott schöpfen und ganz neu anfangen, zu planen, zu träumen – zu träumen, den Willen Gottes in unserem Leben zu tun!

Schluss

All diese Pläne haben zunächst einmal nicht direkt etwas mit dem Glaubensleben von Rut und Boas zu tun. Und so hast Du vielleicht auch viele Dinge, die Du planst, die nicht direkt etwas mit dem Vorankommen in Glaubensfragen zu tun haben – ich habe definitiv einige solcher Dinge. Aber von Rut und Boas dürfen wir lernen, was es heißt in allen Plänen, strategisch den Willen Gottes zu suchen.

Möge Gott mir, Euch, uns allen Gnade und Kraft geben, seinen Willen in all den Dingen zu suchen und zu tun, die 2013 anstehen.

Quellen

John Piper: Ruth – Strategic Righteousness (http://www.desiringgod.org/resource-library/sermons/ruth-strategic-righteousness), 15.07.1984

Schreibe einen Kommentar