2. Korinther 8 – Gib alles!

Predigt von Pastor Andy Mertin im ARCHE Lighthouse am 10.11.2012

Bibeltext: 2. Korinther 8

Als wir als Familie einmal eine finanzielle Durststrecke durchlebten, fanden wir eines
Tages einen anonymen Briefumschlag mit € 500,- auf meinen Schreibtisch. Da ist
man echt platt und sehr bewegt über die Liebe, Hilfs- und Opferbereitschaft von
Freunden. Ebenfalls hat mich immer wieder sehr beeindruckt, wenn mir Jugendliche
Geld zur Unterstützung (z.B. für eine Freizeit) für andere Jugendliche in die Hand
gedrückt haben. Manche sind überhaupt sehr freigiebig und helfen gerne, geben
regelrecht alles, während andere aber eher zurückhaltend sind. Dies betraf auch die
Christen in Korinth, die gefordert waren den in Not geratenen Christen in Jerusalem
zu helfen.

1. Die Ausgangssituation

Nachdem von Paulus die Streitigkeiten und Auseinandersetzungen über seinen Dienst
als Apostel mit der Gemeinde in Korinth ausgeräumt werden konnten und die
Beziehung wiederhergestellt war, kommt er nun in seinem Brief an die Korinther auf
ein ganz anderes Thema zu sprechen. Es geht um das „Helfen und Geben“ für die
notleidende Gemeinde in Jerusalem. Bekanntlich hatte die Jerusalemer Gemeinde
einen enormen Zuwachs zu verzeichnen. Nach der Pfingstpredigt von Petrus hatten
sich 3.000 Menschen bekehrt (Apostelgeschichte 2,41) und kurz darauf stieg allein
die Zahl der Männer in der Gemeinde auf etwa 5.000 an (Apostelgeschichte 4,4), so
dass mit Frauen und Kindern die Gemeinde sicher an die 20.000 Gläubige fasste, was
der Größe von heutigen Megakirchen entspricht. Anfangs genoss die christliche Ur-
Gemeinde ein hohes Ansehen in der Gesellschaft. Es heißt über sie: „Sie lobten Gott
und waren angesehen bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich die zur
Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“ (Apostelgeschichte 2,47) Und weiter lesen
wir, dass sie ein Herz und eine Seele waren und sogar ihre materiellen Güter und
Besitztümer untereinander gerecht aufteilten, je nach Bedürftigkeit, um damit der
Not des Einzelnen zu begegnen (Apostelgeschichte 2,44-45). Dennoch geriet die
Gemeinde in gewaltige finanzielle und materielle Schwierigkeiten, weil die Not immer
mehr zu nahm. Das lag daran, dass die Gemeinde in Jerusalem zum großen Teil aus
jüdischen Pilgern aus der ganzen Welt bestand. Nach ihrer Bekehrung zu Pfingsten
konnten sie in der Regel nicht mehr zu ihren jüdischen Familien zurückkehren, weil
sie aufgrund ihres Glaubens massive Probleme bekamen und geächtet wurden. Es
waren zudem meist eher arme Leute, so dass nur wenig in die Gemeindekasse kam.
Ein weiterer Grund für die Not, war dann jedoch auch generell die Verfolgung in und
um Jerusalem. Die Stimmung kippte plötzlich und die Juden stellten sich gegen die
Gemeinde (Apostelgeschichte 8,1). Denken wir nur an Paulus, der selbst der größte
Christenhasser war und auch vor Frauen und Kinder keinen Halt machte und dadurch
viel Schuld auf sich lud. Christen wurden zu Ausgestoßenen in der Gesellschaft
(Johannes 16,2) und hatten folglich Schwierigkeiten ihren Lebensunterhalt zu
bestreiten. Außerdem drohte eine Hungersnot (Apostelgeschichte 11,27-29) und die
wirtschaftliche Situation unter der Besatzungsmacht Rom war auch alles andere als
rosig. Die Not in Jerusalem war also sehr groß und die Gemeinden in Europa und
Asien waren gefordert zu helfen.
Auch wir sind heute gefordert, unseren Glaubensgeschwistern in aller Welt zu helfen.
Als ARCHE haben wir besondere Hilfsaktionen, z.B. für „Kinder in Not“ und arbeiten
mit unseren Partnern in Russland, der Ukraine, Brasilien, Indien, Malawi und Birma
eng zusammen. Bei unserer Gemeinde- und Missionsarbeit geht es aber nicht nur um
materielle Hilfe und Geldspenden, sondern insgesamt um unseren Einsatz als
Nachfolger Christi. Unser Glaube muss Folgen haben, Frucht muss sichtbar werden.
Zunächst sind wir da in unserem direkten Umfeld gefordert uns einzubringen, zu
helfen und zu unterstützen. In unserer Jugend gibt es so viele Bereiche, wo mehr
Engagement und Hilfeleistung nötig ist. Kommst du nur und lässt dich bedienen,
oder bist du auch bereit zu geben. Wir brauchen viele freigebige gebende
Jugendliche, damit wir ARCHE, Licht und Salz in Hamburg und darüber hinaus sind.

2. Worauf es beim Geben ankommt

Der gleiche Paulus, der mit dazu beigetragen hatte, dass die Gemeinde in Jerusalem
in solche Schwierigkeit geriet, gab nun alles, um zu helfen und beschloss in den
Gemeinden von Kleinasien (der heutigen Türkei) und Europa für Jerusalem zu
sammeln (Römer 15,25-27), um damit nicht zuletzt auch die Schranken zwischen
Judenchristen und Heidenchristen abzubauen. Sollten nicht auch wir viel mehr in
Gottes Reich investieren, nicht um uns damit unser Heil zu verdienen, aber um Gott
damit zu ehren und als Zeichen des Dankes, für die Gnade der Rettung.

1.1 . Geben wird durch die Gnade Gottes motiviert

Paulus Appell zur Unterstützung der notleidenden Christen in Jerusalem trug Früchte,
die er zur Ermutigung und Freude der Gemeinde in Korinth mitteilte. Allerdings war
dies letztlich nicht durch seinen emotionalen Aufruf, oder seine überzeugende
Rethorik bewirkt worden, denn er schreibt: „Wir möchten euch nun, liebe
Geschwister, von der ´besonderen` Gnade berichten, die Gott den Gemeinden in
Mazedonien geschenkt hat“. (Vers 1) Paulus berichtet von einer „besonderen“
Gnade der Gemeinden in Mazedonien. Die Hilfsbereitschaft und das Engagement der
Mazedonier war eine Folge der Gnade Gottes, die an ihren Herzen gewirkt hatte.
Man kann rein menschlich sehr viel bewegen und gerade Deutschland ist für große
Spendenaktionen bekannt. Aber wie oft gibt man, um damit anzugeben oder meint
sich Pluspunkt für den Himmel zu sammeln. Alles falsche Motive! Eine tiefgreifende
Veränderung der Herzen kann doch nur Gott bewirken. Allein Seine Gnade bewirkt
die richtige Motivation und ist die Ursache all unsers Handelns, damit wir uns nicht
etwas auf uns selbst einbilden. Beten wir doch, um eine neue Berührung unserer
Herzen durch Seine unendliche Gnade, durch Seinen Geist, damit wir wieder neues
Feuer, neue Motivation für unsere Nachfolge bekommen.

1 . 2 Echtes Geben kann durch nichts aufgehalten werden

„Die Nöte, die sie durchmachten, bedeuteten eine große Bewährungsprobe für sie“
(Vers 2) Die Gemeinden in Mazedonien waren keine wohlhabenden Gemeinden,
sondern das absolute Gegenteil. Aufgrund vergangener Kriege mit Rom und der
anschließenden Besetzung und Plünderung durch die Römer, kam es zu einer großen
wirtschaftlichen Krise im Land und so ging es den Menschen und auch den
Gemeinden sehr schlecht. Sie lebten in bitterster Armut mit vielen daraus
resultierenden großen Schwierigkeiten. Jeder hätte sicherlich großes Verständnis,
wenn die Gemeinden Mazedoniens sich dem Appell des Paulus entziehen und auf ihre
eigenen Nöte beschränken würden, denn damit hatten sie doch mehr als genug zu
tun. Man hätte auch Verständnis, wenn sie aufgrund ihrer prekären Situation selbst
um Hilfe bitten würden und eher in einer traurigen und gedrückten Stimmung wären.
Aber sie waren bereit alles zu geben. Ihre Umstände konnten das nicht verhindern.
Wir sind in einer ungleich besseren Position als die damaligen Gemeinden in
Mazedonien. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt und haben alles und
machen doch so wenig. Es gibt zu viele „Schönwetterchristen“, die nur funktionieren,
wenn alles super läuft. Nur wenn die Gefühle oben sind, brennt man für Jesus.
Wehe, wenn Probleme kommen, dann vergräbt man sich und vergeht in
Selbstmitleid. Ich habe früher mal Gott erpressen wollen, indem ich ihm vorhielt:
„Wenn du mir eine Freundin gibst, dann werde ich alles für dich geben und dir
dienen.“ Und sofort stellte sich mir eine hübsche Blondine vor. Nein, natürlich nicht!
Bei dir ist es vielleicht kein Freund, den du von Gott erpressen willst, aber ein
Studienplatz, ein Arbeitsplatz, die Veränderung deiner Familie – was auch immer. Mit
einem bockigen Verhalten schaden wir uns nur selbst. Jesus sagt: „Trachtet zuerst
nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit und uns wird alles zufallen,
was wir brauchen.“ Investiere dich zuerst in Jesus und Sein Reich und dann gehst du
auch nicht leer aus. Gott ist im Schwachen mächtig! Gerade, wenn du schwach bist,
vielleicht auch durch eine Krankheit, ein Handicap – diene Jesus und er wird dich
segnen.

1 . 3 . Geben geschieht mit Freude

Rein äußerlich sah es bei den mazedonischen Gläubigen alles ganz übel aus, aber
Gott erfüllte ihre Herzen mit einer übermenschlichen grenzenlosen Freude. „Und
trotzdem waren die Gläubigen von einer unbeschreiblichen Freude erfüllt.“ (Vers 2)
Denken wir an fröhliche leuchtende Augen, in abgemagerten Gesichtern. Ähnliches
ist mir in den übelsten Slums in Manila begegnet. Da lebten Menschen in quasi
Hühnerställen bei unerträglicher Hitze mit furchtbaren Gestank aufgrund von
Müllbergen und strahlten trotzdem, während die verwöhnten Europäer über den
fehlenden Komfort meckerten und mies aus der Wäsche guckten. Die Freude der
mazedonischen Christen war jedoch noch eine andere, eine göttliche Dimension, als
die von Menschen, die von Natur aus genügsamer und bescheidener sind, oder ein
sonniges Gemüt haben. Gott dienen, helfen und geben mit einem mürrischen
Gesicht, das passt nicht zusammen. Die Bibel sagt: „Jeder soll für sich selbst
entscheiden, wie viel er geben möchte, und soll den Betrag dann ohne Bedauern und
ohne Widerstreben spenden. Gott liebt den, der fröhlich gibt.“ (2Korinther 9,7) Einen
fröhlichen Geber hat Gott lieb! Dein Gesicht spiegelt deine wahre Gesinnung wieder.
Freue dich, weil Jesus für dich alles gegeben hat.

1.4 . Geben zeigt sich großzügig

Gott selbst hatte den mazedonischen Christen die Freude eingepflanzt und als Folge
äußerte sich eine besondere Last, eine Bürde für die notleidenden Christen in
Jerusalem und es erfolgte eine ungeheure Hilfsbereitschaft und Freigebigkeit. „Ihre
Freude war so groß, dass daraus trotz bitterster Armut eine überaus reiche
Freigebigkeit entstand.“ (Vers 2) Wir sollen in unserem Geben, in unserem Dienst für
Gott großzügig, spendabel, freigebig sein, denn unser Gott ist es auch. Leider zeigt
sich jedoch manch einer als sehr sparsam und geizig in seinem Eifer und Einsatz für
Gott. Bloß nicht zu viel in der Gemeinde tun und dann denkt man doch nur an sich
und fragt nur nach dem: „Was bringt mir das?“. Geiz ist nicht geil, sondern eine
große Sünde. Geiz oder auch Habgier und Habsucht wird immer wieder
angesprochen und ist ein Kriterium für die, die nicht in den Himmel kommen (z.B.
Epheser 5,3-5).

1.5 . Geben heißt opfern

In den mazedonischen Gemeinden legten sie nicht eine Kollekte von ihrem Überfluss
zusammen, sondern brachten ein großes Opfer, also ein echtes Opfer(!), sodass es
sogar über die Schmerzgrenze hinweg ging. Vielleicht brauchten sie Reserven auf,
verkauften ihre liebsten Wertgegenstände, verzichteten auf Essen und Kleidung, was
auch immer, es war jedenfalls überwältigend. „Die mazedonischen Geschwister
gingen – das kann ich bezeugen – bis an die Grenze dessen, was ihnen möglich war,
ja sogar noch darüber hinaus, und sie taten es freiwillig und aus eigenem Antrieb.“
(Vers 3) Wir reden ja auch viel vom „opfern“, z.B. die Geldsammlung im
Gottesdienst, meinen damit aber einfach nur etwas geben. Charles Studd, war ein
reicher und erfolgreicher Sportler (Kricketspieler) in England. Er war so etwas wie der
Lionel Messi im Kricket. Er hatte alles und die Welt lag ihm zu Füßen. Als er zum
lebendigen Glauben an Jesus kam, gab er buchstäblich alles für Jesus weg. Er zeigte
sich damit nicht nur als äußerst großzügig, sondern gab damit ein Opfer bis an die
Schmerzgrenze und vielen Menschen konnte geholfen werden. Alle großen Männer
und Frauen Gottes, waren bereit große Opfer zu bringen. Sie gaben wirklich ihr
Leben für Jesus auf, wir reden oft nur davon. Ich denke auch an Hudson Taylor, dem
Chinamissionar, der ein Leben in Armut und mit viel Leid, dem Luxus in seiner
Heimat England vorzog. Aber wer will schon über die Schmerzgrenze gehen? Leider
denken wir allzu oft so sehr nur an uns, suchen unseren Spaß, streben nach Geld
und Karriere, sind mehr auf materielle Dinge fokussiert und wollen z.B. immer auf
dem neuesten Stand sein, beim Handy, Computer etc. Bist du bereit etwas für Jesus
zu tun, so dass es dir wirklich weh tut? Umgekehrt hat Jesus alles für uns gegeben
und Sein Opfer ist unvergleichlich.

1.6 . Geben geschieht freiwillig

Niemand setzte die Mazedonier unter Druck, oder manipulierte sie mit
Versprechungen und seien sie auch noch so fromm. „Leg dein Geld auf der
Himmelsbank an und es hagelt beste Renditen“. Nein, sie taten es freudig aus freien
Stücken. Auch wenn sie die Jerusalemer bestimmt nicht persönlich kannten, so
schenkte Gott ihnen doch eine tiefe Verbundenheit, so dass sie sich für sie einsetzen
als wäre es ihre Familienangehörigen. Ihr Engagement für die Gemeinde in
Jerusalem war sogar so groß, dass sie ihre Hilfe regelrecht aufzwangen und Paulus
beknieten. „Eindringlich und inständig baten sie uns um das Vorrecht, sich an dem
Dienst der Hilfeleistung für die Gläubigen in Jerusalem beteiligen zu dürfen als
Zeichen ihrer Verbundenheit mit ihnen.“ (Vers 4) Was ist uns so wichtig, dass wir es
mit so einem Nachdruck durchsetzen wollen? Ist es ein Dienst für Gott, oder geht es
doch nur wieder um irdische Dinge? Die Jugend/Gemeinde ist deine Familie und
braucht deine Unterstützung.
An dieser Stelle noch kurz ein Wort zum „Zehnten“. Da sind nicht nur die Eltern, oder
die Berufstätigen gefragt, sondern wir alle sind gemeint. Unsere finanziellen Gaben
für das Reich Gottes sind zwar freiwillig und doch gibt es eine Anordnung, die man
bekanntlich als „Zehnten“ bezeichnet (vgl. Matthäus 23,23 als Auslegung von
Matthäus 22,21). Hier bestätigt Jesus ausdrücklich die fortdauernde Gültigkeit des
Zehntengebotes aus dem alten Testament. Ebenso wird dies in Hebräer 7 deutlich,
dass der Zehnte nicht erst Teil des mosaischen Gesetzes war, sondern zuerst bei
Melchisedek bezeugt ist. Und Jesus wird hier ausdrücklich mit Melchisedek parallel
gesetzt. Wer Gott und damit seiner Gemeinde den Zehnten dessen, was man als
Einkommen zur Verfügung hat, zur Finanzierung der Gemeindearbeit (1Korinther
9,13) anvertraut, der ist Gott gehorsam. „Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in
mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit,
spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun
werde und Segen herabschütten die Fülle.“ (Maleachi 3,10)

1.8 . Geben ist Anbetung

Die Gläubigen in Mazedonien dachten aber nicht nur an das Projekt „Hilfe für
Jerusalem“, sondern stellten ihr ganzes Leben als lebendige Opfer Gott zur
Verfügung (vgl. Römer 12,1-2). „Und noch in anderer Hinsicht übertrafen sie unsere
Erwartungen, denn vor allem anderen stellten sie sich selbst – in Übereinstimmung
mit Gottes Willen – zunächst dem Herrn und dann auch uns zur Verfügung.“ (Vers 5)
Nicht nur Lobpreis oder Gebet mit Händefalten ist Anbetung, sondern gerade auch
dieses praktische Geben, Hilfe leisten, dienen, einfach mit anpacken. Wir tun es aus
Dankbarkeit und um Gott Ehre zu geben.

3. Dran bleiben

Viele Gläubige haben einen Dienst mit Feuereifer begonnen und sind Tag und Nacht
im Einsatz gewesen, aber so schnell wie die Begeisterung da war, war sie plötzlich
wieder verflogen. Ähnlich erging es den Korinthern mit ihrer Hilfssammlung für die
Gläubigen in Jerusalem. Sie hatten als die ersten die Aktion „Hilfe für Jerusalem“
engagiert begonnen. Seinerzeit hatte ihnen Paulus in seinem ersten Brief
geschrieben: „Nun noch ein Wort zu der Geldsammlung für die Gläubigen ´in
Jerusalem`. Macht es so, wie ich es auch in den Gemeinden von Galatien
angeordnet habe: Am ersten Tag jeder Woche, ´dem Sonntag`, soll jeder von euch
bei sich zu Hause einen Betrag auf die Seite legen, der seinen Möglichkeiten
entspricht. Auf diese Weise kommt nach und nach eine größere Summe zusammen,
und das Geld muss nicht erst dann gesammelt werden, wenn ich komme. Sobald ich
bei euch bin, werde ich diejenigen, die ihr für geeignet haltet, mit
Empfehlungsbriefen nach Jerusalem schicken und eure Gabe überbringen
lassen. Vielleicht werde ich, wenn es mir angebracht scheint, auch selbst hinreisen,
sodass sie mich dann begleiten können.“ (1Korinther 16,1-4)
Während die Mazedonier alles für die Jerusalemer gaben, war die Sammlung in
Korinth jedoch eingeschlafen. Paulus benutzt nun das Vorbild der mazedonischen
Christen, um die Korinther neu zu ermutigen bzw. herauszufordern dran zu bleiben.
„Ihr Verhalten hat uns ermutigt, Titus zu bitten, dass er sich bei euch erneut um die
Geldsammlung kümmert, die er ja schon früher einmal in Angriff genommen hatte,
und dass er nach allem, was er sonst schon für euch getan hat, jetzt auch dieses
Werk der Gnade Gottes zu einem entsprechenden Abschluss bringt.“ (Vers 6)
Die Länge trägt die Last. Bist du in deiner Nachfolge müde geworden? Ist die Luft
etwas raus? Lass dich vom Feuer anderer Christen inspirieren und ermutigen. Komm,
bleib dran – gib nicht auf!
Und Paulus ermutigt weiter mit gewinnenden Worten die Hilfsaktion wieder
aufzunehmen: „Ihr zeichnet euch ja in jeder Hinsicht aus: durch Glauben, durch
Worte, ´die der Heilige Geist euch eingibt,` durch ´geistliche` Erkenntnis, durch
hingebungsvollen Einsatz und durch die Liebe, die wir euch vorgelebt und in euch
geweckt haben. Genauso sollt ihr euch jetzt auch bei diesem Werk der Gnade Gottes
auszeichnen. Ich sage das nicht, um euch einen Befehl zu erteilen. Wenn ich darauf
hinweise, mit welchem Eifer andere sich einsetzen, dann nur, um auch euch
Gelegenheit zu geben, die Echtheit eurer Liebe unter Beweis zu stellen.“ (Verse 7-8)
Paulus nennt hier noch einen weiteren Punkt, was das Geben ausmacht. Er macht
deutlich das Geben ein Beweis der Liebe Gottes darstellt . Damit dürfen auch wir uns
herausfordern lassen. Es nützt nichts viel von christlicher Nächstenliebe zu faseln und
sich als Christ zu bezeichnen, wenn man keine Taten folgen lässt. Durch
Hilfeleistung, durch Geben, kann man seine Liebe zu Gott wunderbar unter Beweis
stellen. Und dann kommt ein Satz, eine Herausforderung, die alleine schon eine
ganze Predigt füllen kann: „Ihr wisst ja, woran sich die Gnade von Jesus Christus,
unserem Herrn, gezeigt hat: Er, der reich war, wurde arm, damit ihr durch seine
Armut reich werdet.“ Jesus hat für uns die Herrlichkeit und den Reichtum des
Himmels verlassen, um Mensch, d.h. um arm zu werden (Philipper 2,5-9). Durch
seine „Armut“ wurden wir reich, denn er hat uns gerettet. Wir werden einmal die
Krone des Lebens in Empfang nehmen (1Petrus 1,4) und zu Miterben des Himmels
gemacht (Römer 8,17). Bessere Zukunftsaussichten kann man nicht haben.  Jesus
hat alles für uns gegeben und wir sind es ihm schuldig auch für ihn alles zu geben.
Paulus appelliert eindringlich und doch zurückhaltend und liebevoll die Hilfsaktion zu
Ende zu bringen: „Bringt dieses Unternehmen nun auch zum Abschluss; sorgt dafür,
dass die Durchführung nicht hinter der ursprünglichen Bereitwilligkeit zurückbleibt.
Gebt entsprechend dem, was ihr habt! Denn eine bereitwillig gegebene Gabe ist Gott
willkommen, und ihr Wert bemisst sich nach dem, was der Geber besitzt, nicht nach
dem, was er nicht besitzt. Schließlich soll es nicht dahin kommen, dass ihr anderen
aus ihrer Not helft und dadurch selbst in Not geratet. Es geht vielmehr darum, einen
Ausgleich zu schaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt hilft euer Überfluss ihrem Mangel ab,
damit dann ein anderes Mal ihr Überfluss eurem Mangel abhilft, und auf diese Weise
kommt es zu einem Ausgleich. Es heißt ja in der Schrift: »Wer viel ´gesammelt`
hatte, hatte nicht zu viel, und wer wenig ´gesammelt` hatte, hatte nicht zu wenig.«“
(2Korinther 8,11-15) Bei aller Opferbereitschaft und Freigebigkeit, soll unser
Verstand eingeschaltet bleiben! D.h. nur soviel geben, dass wir auch selbst weiter
klar kommen und nicht anderen auf der Tasche liegen bzw. zusammenbrechen, weil
es alles zu viel ist. Wir sollen also mit unsern Kräften haushalten. Wir sollen jedoch
den Ausgleich im Blick haben, dass alle versorgt sind bzw. die Lasten gleichmäßig auf
alle Schultern verteilt sind.
Am Ende dieses Bibelabschnitts werden wir noch auf den seriösen und sorgfältigen
Umgang und die verwaltungstechnische Abwicklung von Hilfeleistungen hingewiesen
und zwar den Transfer der großen Geldbeträge von Korinth nach Jerusalem. Paulus
beugt hier etwaigen Gerüchten und Beschuldigungen vor. Sein enger Mitarbeiter
Titus und zwei weitere sehr angesehener integre Mitarbeiter sorgen für eine korrekte
Übergabe des Geldes: „Gott aber sei Dank! Er hat Titus einen ebenso großen Eifer
für euch ins Herz gelegt ´wie uns`, sodass er unserer Bitte, euch zu besuchen,
bereitwillig nachkommt. Eigentlich wäre diese Bitte gar nicht nötig gewesen; ihr liegt
Titus so sehr am Herzen, dass er auch aus eigenem Antrieb zu euch gereist
wäre. Zusammen mit Titus schicken wir noch einen Bruder – einen, der wegen
´seiner Mitarbeit am` Evangelium bei allen Gemeinden in hohem Ansehen steht. Und
nicht nur das: Er ist von den Gemeinden dazu bestimmt worden, uns nach Jerusalem
zu begleiten, wenn wir das Geld übergeben und damit dieses Werk der Gnade Gottes
zum Abschluss bringen, diesen Dienst, den wir zur Ehre des Herrn und als Zeichen
unserer Hilfsbereitschaft tun. ´Mit der Entscheidung, nicht allein zu reisen,` wollen
wir jedem Verdacht zuvorkommen; immerhin sind wir im Rahmen dieses Dienstes
mit einer beträchtlichen Summe unterwegs. Ja, wir sind darauf bedacht, dass alles
korrekt zugeht – nicht nur in den Augen des Herrn, sondern auch nach dem Urteil
der Menschen. Zusammen mit diesen beiden schicken wir noch einen weiteren
Bruder zu euch, einen Mitarbeiter von uns. Seine Einsatzbereitschaft konnten wir
viele Male und in vielen Situationen erproben, und jetzt ist er noch viel eifriger als
sonst, weil er volles Vertrauen zu euch hat. Wenn Fragen zu Titus gestellt werden:
Er ist mein Gefährte und mein Mitarbeiter, der sich für euch einsetzt. Und was
unsere ´beiden anderen` Brüder betrifft: Sie sind Abgesandte der Gemeinden,
Menschen, in deren Leben die Herrlichkeit von Christus sichtbar wird. Nun ist es an
euch, ihnen eure Liebe zu beweisen und damit ihnen selbst und den Gemeinden zu
zeigen, dass wir euch zu Recht gelobt haben.“ (2Korinther 8,16-24)
Zum Schluss noch einmal der Appell an uns alle: Wir sind aufgefordert alles für
unseren Herrn zu geben und auch in schwierigen Phasen und Durststrecken dran zu
bleiben, um Gott durch unseren Dienst und unsere Gaben für sein unendlich großes
Opfer für uns, zu danken und zu ehren. Bist du müde und ausgebrannt? Komm
streck dich nach Gott aus und bitte ihn um eine Berührung! Wir sind angewiesen auf
Seine Gnade, die unsere Herzen, unsere Gesinnung verändert. Gemeinsam wollen
wir alles für Jesus geben, denn er hat am Kreuz alles für uns gegeben!

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