Warnung vor Uneinigkeit

Eine Predigt von Pastor Andy Mertin im Lighthouse am 14.01.2012

„Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, kraft des Namens unseres HERRN Jesus Christus, dass ihr alle einmütig seid und keine Spaltungen unter euch zulasst, sondern zusammenhaltet in derselben Gesinnung und in derselben Überzeugung. Mir sind nämlich, meine Brüder, durch die Leute der Chloe bekannt geworden, dass Streitigkeiten unter euch sind. Ich rede aber davon, dass jeder von euch so spricht: Ich halte zu Paulus! – Ich aber zu Apollos! – Ich aber zu Kephas! – Ich aber zu Christus! Ist der Christus denn zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt worden, oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft? Ich danke Gott, dass ich niemand von euch getauft habe, außer Krispus und Gajus; so kann doch niemand sagen, ich hätte auf meinen Namen getauft! Ich habe aber auch das Haus des Stephanas getauft. Sonst weiß ich nicht, ob ich noch jemand getauft habe; denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen, und zwar nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz des Christus entkräftet wird.

1Korinther 1,10-17

Unsere neue Predigtreihe behandelt die Briefe an die Gemeinde in Korinth, also den
1. und 2. Korintherbrief. Es gab aber offensichtlich noch zwei weitere Briefe, die aber
nicht aufgefunden wurden. Und zwar den allerersten Brief (1Korinther 5,9) und dann
quasi den dritten, der „Tränenbrief“ genannt wird (2. Korinther 2,4). Verfasser der
Briefe ist zweifelsohne der Apostel Paulus, der diesen „ersten“ Brief, um den es uns
zunächst geht, um 55 v. Chr. aus Ephesus geschrieben hat bzw. schreiben ließ.
Die Stadt Korinth war gerade erst, d.h. 46 v. Chr. durch Julius Cäsar wieder neu
aufgebaut worden und hatte sich schnell zum anerkannten politischen Mittelpunkt
der Region entwickelt, zumal es auch die Residenz des regierenden römischen
Prokonsuls war. Man kann sagen, Korinth war eine große Weltmetropole, eine
internationale Hafenstadt und Handelsdrehscheibe, vergleichbar mit Hamburg heute.
Korinth liegt dabei an einer nur 7 km breiten Landenge, die den Süden vom Norden
Griechenlands trennt. Damit lag sie an der Hauptverkehrsader und hatte sogar gleich
zwei Seehäfen, auf jeder Seite der Landenge einen. Aufgrund des gefährlichen
Seewegs um die Südspitze Griechenlands (Peleponnes) zogen es die meisten
Kapitäne vor, ihre Schiffe in Korinth umzuladen bzw. auf Rollen über die kleine
Landenge bei Korinth weiterzubefördern. Heute gibt es dort einen Kanal. Damit war
der Transport nicht nur sicherer, sondern man sparte auch enorm Zeit. Diese
strategische Lage verhalf der Stadt zu Wohlstand und Ansehen und zog Menschen
aus allen Ländern und Kulturen an – damit aber auch die Sünde.

Die Stadt war im Altertum für ihre Sittenlosigkeit und Unmoral bekannt und prägte
das Verb „korinthisieren“, was soviel bedeutet wie sexuelle Unmoral, oder auch
„korinthische Mädchen“, was einer Prostituierten gleichkam. Reiche Händler und raue
Seeleute suchten gleichermaßen ihre sexuellen Befriedigungen bei den vielen Huren
und in den unzähligen Bordellen der Stadt zu stillen.

Auch spirituell war in Korinth einiges los, so dass wir nicht nur von einer
multikulturellen, sondern auch multireligiösen Stadt sprechen können. Römische und
griechische Gottheiten wurden gleichermaßen angebetet, daneben noch Juden und
eine Christen. Im Stadtzentrum befand sich ein großer Tempel für Apollo und auf
einem ca. 600 m hohen Berg am Rand der Stadt, dem so genannten Akrokorinth,
befand sich die Akropolis, eine Festungsanlage, mit einem großen Tempel und Altar
der Aphrodite, der Göttin der Liebe, der Schönheit und Fruchtbarkeit wobei rund
1.000 Priesterinnen den Besuchern für „freie Liebe“ zur Verfügung standen.
In dieser bunten und boomenden Weltmetropole, einer der größten Städte der
damaligen Welt, hatte Paulus eine Gemeinde gegründet (vgl. Apostelgeschichte 18).
Nach seinem Aufenthalt in Athen (vgl. Paulus auf den Areopag) kam er nach Korinth
wo er bei Aquila und Priszilla (Priska) wohnte, die denselben Beruf eines Zeltmachers
ausübten. D.h. Tagsüber wurde auf dem Markt gearbeitet und man stellte Zelte und
Segel her und am späten Nachmittag und Abend begann dann die Gemeindearbeit.
Weiter schlossen sich ihnen die treuen Mitarbeiter des Paulus, Silas und der junge
Timotheus an. Paulus hielt sich oft im Haus des Römers Gajus Titius Justus auf, der
für den Glauben offen war und einen guten Kontakt zur benachbarten Synagoge
unterhielt. Wie üblich lehrte Paulus nämlich zunächst in der Synagoge, wo er jedoch
schon bald massive Schwierigkeiten mit den Juden bekam und sich dann mehr und
mehr den Heiden, der übrigen Bevölkerung zuwandte. Die Arbeit des Paulus zeigte
Frucht und es bekehrte sich Stephanas und seine ganze Familie. Eine der größten
und spektakulärsten Bekehrungen dieser Anfangszeit war jedoch die des
Synagogenvorstehers Krispus mit seinem ganzen Haus (Apg. 18,6-8). Dies löste
Turbolenzen in der jüdischen Bevölkerung aus, zumal sich später prompt auch noch
der nachfolgende Synagogenvorsteher Sosthenes bekehrte, der später Zeitweise der
Sekretär von Paulus war. Die junge Gemeinde wuchs jedenfalls enorm und war voller
Leben – geistlich, leider aber auch ungeistlich, wie die vielen Probleme es zeigten.
Licht und Schatten waren also dicht beieinander. D.h. die Mitglieder der Gemeinde
hatten bisweilen schon so ihre Schwierigkeiten zwischen dem Leben in der Welt und
der Nachfolge Christi zu unterscheiden und manch einer versuchte einen Spagat
zwischen Gemeinde und der Welt.

Es scheint, als gab es gar keine richtige Leiterschaft, so dass es nicht verwunderte,
dass sich derartige Missstände ausbreiteten, die dann von Paulus in seinen Briefen
aufgegriffen und korrigiert wurden. Der 1. Korintherbrief ist unter allen seinen Briefen
insofern der vielfältigste, von der Schlichtung bei Streitigkeiten über Finanz- und
Ehefragen bis hin zur Auferstehung. Eine Betreuung erfuhren sie durch ihren
Gemeindegründer Paulus, dann aber auch durch Apollos. Er war ein sehr begabter
Redner aus Alexandria, der von Aquila und Priszilla noch weiter gecoacht wurde. Als
dritte große Persönlichkeit schien auch Petrus der Gemeinde in Korinth gedient zu
haben, zumindest hatte der Einfluss.

1. Nicht das Positive vergessen!

Paulus beginnt üblicher Weise seine Briefe mit einem Gruß. Nach diesen netten
Formalitäten hätte man erwarten können, dass er dann aber gleich zur Sache kommt
und die vielen Probleme beim Namen nennt. Aber Paulus sieht tiefer und beginnt
zunächst mit dem Positiven, denn Gott ist Seiner Gemeinde auch in Korinth sehr
gnädig gewesen. Bei allen Missständen in der Gemeinde, sind diese Gläubigen
dennoch Gottes geliebte Kinder, seine Heiligen, so wie Paulus sie hier begrüßt.
Heilige heißt nicht, dass diese Menschen vollkommen sind, oder wenigstens ein
nahezu perfektes Leben führen, sondern dass es sich dabei um erlöste Sünder
handelt. Also, Heilige und Sünder zugleich! Und zu verdanken haben sie ihre
Errettung allein der grenzenlosen Gnade Gottes, die auch weiterhin in der Gemeinde
Korinth aktiv ist. Paulus erkennt trotz des Durcheinanders, dass Gott so unglaublich
viel Potential in diese Gemeinde gelegt hat. Er dankt Gott u.a. für die Gnade, dass in
der Gemeinde ALLE Geistesgaben vertreten sind. Diesbezüglich fehlte es ihnen an
nichts! Die Gemeinde in Korinth hatte ihre Herausforderungen und war nicht die
Pflegeleichteste für Paulus, aber sie war kein hoffnungsloser Fall, sondern ganz im
Gegenteil. Paulus stellt zuerst das Positive heraus, weil er Hoffnung hat. Er schreibt:
„Der (Jesus Christus) euch fest machen wird bis ans Ende, so dass ihr unverklagbar
seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. Gott ist treu, durch den ihr berufen seid
zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.“ (1Korinther 1,8-
9) Das gute Werk, was Gott angefangen hat, das wird er vollenden! (Philipper 1,6)
Wir neigen leider oft dazu, alles schwarz zu sehen und reden alles schlecht, was ich
schon manchmal in der Gemeinde- und Jugendarbeit erleben musste. Einer fängt an
und nach und nach stimmen alle ein und schließlich ist alles nur noch Mist und nicht
selten wird dabei aus einer Mücke ein Elefant gemacht. So kann man eine Person,
einen ganzen Arbeitsbereich oder auch gleich eine ganze Jugendarbeit oder
Gemeinde kaputt reden. Ich will damit nicht sagen, dass wir unsere Augen vor der
Wirklichkeit verschließen sollen und nichts kritisches mehr sagen dürfen. Die Frage ist
nur, wie wir das tun. Man kann es konstruktiv machen, so dass der Betroffene
letztlich gestärkt und ermutigt daraus hervorgeht, aber auch das eine Person oder
ein Arbeitsbereich am Boden zerstört ist und sich nicht mehr traut auch nur „piep“ zu
sagen. Als Deutsche neigen wir nun mal dazu sehr direkt zu sein, was aber nicht
dazu führen darf, dass wir dabei die Gnade und Liebe Gottes ausklammern. Wir
wollen bramherzig miteinander sein, denn jeder Einzelne von uns hat doch ganz viele
Defizite. Wir haben in unserer Jugend und Gemeinde viele Baustellen, vieles könnte
viel besser sein, aber auch wir dürfen uns der Gnade Gottes anbefehlen und dürfen
erkennen, was Gott alles in unsere Gruppe, in den Einzelnen an Begabungen
hineingelegt hat und an der Arbeit ist. Da ist so viel Potential und Hoffnung, denn
Gott ist treu der es vollenden wird.

2. Ihr sollt Eins sein!

Aber dann kommt auch ein ABER…  „Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, kraft des
Namens unseres HERRN Jesus Christus, dass ihr alle einmütig seid und keine
Spaltungen unter euch zulasst, sondern zusammenhaltet in derselben Gesinnung und
in derselben Überzeugung. Mir ist nämlich, meine Brüder, durch die Leute der Chloe
bekannt geworden, dass Streitigkeiten unter euch sind.

Dies ist ein sehr ernster Appell. Paulus ermahnt die Brüder, wobei aber natürlich auch
die Schwestern gemeint sind, weil Sünde die Gemeinde bedroht. Gläubige sind wie
gesagt Heilige, aber auch Sünder und damit leider auch immer wieder egoistisch,
selbstzentriert, selbstgerecht, rechthaberisch etc., was zu vielen Problemen in der
weltweiten Gemeinde Jesu geführt hat und immer noch führt. Denn warum gibt es
so viele verschiedene Kirchen, Bewegungen und Strömungen? Die Vielfalt zeigt
zumindest auch, dass da viele Meinungsverschiedenheiten, Uneinigkeiten, Streit und
Spaltungen sind. Mir sagte einmal ein Passant bei einem Straßeneinsatz, dass wir als
Christen doch erst einmal untereinander zurechtkommen sollten, bevor wir uns den
Ungläubigen zuwenden.

In der Gemeinde in Korinth waren Streitigkeiten an der Tagesordnung und gehörten
sicher zum größten Problem, weshalb Paulus genau damit anfängt. Der Apostel
Jakobus stellte zu dieser Thematik die Frage: „Woher kommen die Kämpfe und die
Streitigkeiten unter euch? Kommen sie nicht von den Begierden, die in euren
Gliedern streiten?“ (Jakobus 4,1)  Und weiter führt er aus, dass es letztlich der
Zeitgeist, die Freundschaft mit der Welt ist, die aber zur Feindschaft mit Gott führt.
Die Sünde ist schon bei den Kleinsten aktiv. Schon kleine Kinder verstehen es sehr
gut sich zu streiten. Da fliegen die Fetzen in der Sandkiste im Streit um die Schaufel
oder den Eimer und im Lauf unseres Lebens u.a. in der Ehe, im Beruf haben wir viele
andere Lebensbereiche und Themen, die uns streiten lassen und so leben wir quasi
im ständigen „Krieg“ miteinander bis hinein in die Gemeinde. Denn auch da streiten
wir uns und zwar über Geschmacksfragen (Musikstile, Musikinstrumente, Lautstärke,
Liturgie, Länge der einzelnen Parts des Gottesdienstes, Art und Weise des Predigers,
oft über Äußerlichkeiten, angefangen bei den Haaren bis hin zu den Klamotten – es
gab doch glatt schon Spaltungen wegen Krawatten – die eine Gemeinde mit und die
andere ohne) und über unzählige Lehrfragen (gerettet aus Gnade oder Werke, durch
den freien Willen oder die Souveränität Gottes, Säuglings- oder Glaubenstaufe,
Abendmahlsfragen, Autorität der Schrift, Kopftuchdebatten, Kontroversen über das
Wirken des Heiligen Geistes und Manifestationen des Geistes oder des Teufels, was
letztlich in Deutschland über Jahrzehnte zum Bruch zwischen der evangelikalen und
charismatischen Christenheit geführt hat, Streit über Geistestaufe, Geistesgaben,
Zungenrede, Prophetie, über Rolle von Mann und Frau, über Struktur- und
Ämterfragen und und und…).

Die Kirchengeschichte ist voll mit Streitigkeiten und heute ist es nicht anders,
bisweilen leider auch schon mal bei uns. Wir sind jedoch aufgerufen
zusammenzuhalten in derselben Gesinnung und in derselben Überzeugung. Da muss
man sich auch mal zusammenraufen und die eigene Meinung zurückstellen, damit
der Masse gedient ist. Es ist so wichtig, dass wir uns in den Hauptfragen einig sind
und mit einer Stimme sprechen. Ich freue mich, dass wir als Gemeinde und damit
auch als Jugend der Gemeinde ein festes ganz klares Glaubensbekenntnis haben
(www.arche-gemeinde.de/wer-wir-sind/bekenntnis.htm), was sich jeder anschauen kann.
Also jeder weiß hier woran er mit der ARCHE ist, was sie glaubt und wofür sie steht.
Wir müssen nicht als Christen verschiedener Denominationen in allen Einzelheiten
einer Meinung sein. Aber Paulus ermahnt die Gläubigen in einer Ortsgemeinde eines
Sinnes zu sein. Christen können unterschiedliche Ausrichtungen haben, aber in einer
Gemeinde geht es darum gemeinsam an einem Strang zu ziehen und nicht
gegeneinander zu arbeiten und unterschiedliche Visionen zu verfolgen.
Vielleicht sind es aber gar nicht mal Uneinigkeiten die unsere Jugendarbeit an sich
oder Lehrfragen betreffen, sondern einfach nur im Zwischenmenschlichen. Da sind
vielleicht Enttäuschungen, weil Verabredungen nicht eingehalten wurden, weil man
nicht eingeladen wurde, da sind Streitigkeiten in und über Freundschaften u.v.m.
Manches ist ja nur „Kinderkram“, wenn wir uns mal über Sportvereine oder Mode
„streiten“. Aber leider gibt es immer mal wieder Stress untereinander. Es darf aber
nicht sein, dass wir von Friede und Liebe sprechen und einander bekämpfen und
einander aus dem Weg gehen, denn an der Liebe untereinander wird die Welt
erkennen, dass wir Jünger Jesu sind (Johannes 13, 34-35). Wenn wir das nicht
beherzigen, werden wir zu einer Lachnummer in der Welt. Wir sind unglaubwürdig
und werden nicht für voll genommen. Also, Schluss mit Streitigkeiten und
Uneinigkeiten! Wir sind vielmehr zur Versöhnung und Einheit aufgerufen und
einander zu lieben und zu dienen. Jesus ist dabei unser großes Vorbild. Er fordert uns
auf einander höher zu achten als uns selbst (Philipper 2,1-8). Für Jesus war die
Einheit seiner Nachfolger in Seinem Hohepriesterlichen Abschiedsgebet mit Sein
größtes Anliegen. „Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche
durch ihr Wort an mich glauben werden, auf das alle eins seien, gleichwie du Vater,
in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass
du mich gesandt hast.“ (Johannes 17,20-21)

Als Paulus in Ephesus war, bekam er Besuch von den „Leuten der Chloe“. Von dieser
Chloe (zu Deutsch: die Blonde) ist nicht viel bekannt, vermutlich war es eine
ehemalige Sklavin, die es zu Wohlstand und zu Bediensteten gebracht hatte. Diese
waren es dann, die bei Paulus „gepetzt“ haben. Es scheint so, dass die Gemeinde
selbst ihre Unarten verheimlichte, aber dies jetzt durch diese vielleicht sogar außen
stehenden Leute ans Licht gebracht wurde. Dieser Schritt war sehr gut und wichtig,
denn sonst hätte die Gemeinde großen Schaden genommen. Insofern ist dies auch
nicht als „petzen“ zu bezeichnen, sondern damit nimmt man seine Verantwortung als
Christ war und bringt die Wahrheit ans Licht. Wenn wir das nicht tun, dann machen
wir uns mitschuldig. Wir haben Verantwortung füreinander und sind aufgerufen die
Gemeinde oder auch die Jugendgruppe im Interesse Gottes zu schützen.

3. Gegen Cliquenbildung

„Ich rede aber davon, dass jeder von euch so spricht: Ich halte zu Paulus! – Ich aber
zu Apollos! – Ich aber zu Kephas! – Ich aber zu Christus! Ist der Christus denn
zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt worden, oder seid ihr auf den Namen
des Paulus getauft?“

Als Begründung für die Uneinigkeiten in der Korinther Gemeinde werden hier
Cliquenbildungen genannt. Es gab also verschiedene Flügel, die ganz
unterschiedliche Dinge vertraten und damit gegeneinander zu Felde zogen. Da war
eine Gruppe, die sich zum Gemeindegründer Paulus hielt. Sie liebten vielleicht seine
genauen akkuraten Ausarbeitungen, seine Disziplin und seinen Eifer. Andere hielten
es mit Apollos, der wie schon gesagt ein brillanter Redner war und sich sehr gut in
der Schrift auskannte (Apostelgeschichte 18,24). Er hatte offensichtlich rethorisch
mehr auf dem Kasten als Paulus – man konnte ihm besser zuhören und er riss die
Leute besser mit, anders als der eher komplizierte Theologe und Gelehrte Paulus. Ja
und dann war da möglicherweise noch Petrus, der vielleicht als ehemaliger Fischer
einfacher gestrickt war und mehr über das Gefühl kam und sich besonders für die
Judenchristen einsetzte. Judenchristen gegen Heidenchristen war ja immer so ein
Thema und es gab da letztlich sogar richtig Krach zwischen Paulus und Petrus
(Galater 2,11-14). Ja, und dann waren da noch die, die sich allein auf Christus
beriefen – die wirklich „Frommen“, vielleicht hat das aber auch Paulus nur gesagt,
um die Problematik herauszustellen. Letztlich weiß man aber nichts über die genauen
Hintergründe der unterschiedlichen Parteien in Korinth und es ist auch nicht
entscheidend. Denn Parteiungen sind immer eine besondere Gefahr für Gemeinden,
besonders dann, wenn dort mehrere Prediger regelmäßig den Dienst tun und
womöglich unterschiedliche Meinungen vertreten. Dann kann es schwierig werden
und schnell hat jeder so seine Lobby und es entstehen Gruppierungen, die die
Meinung ihrer Prediger vertreten. Wir freuen uns in der ARCHE ist, dass wir als
Pastoren und Ältestenschaft der ARCHE einmütig sind, gerade was die Hauptpunkte
in der Lehre angeht, auch wenn wir zu der einen oder anderen Frage auch durchaus
unterschiedliche Auffassungen haben können. Wenn das nicht so wäre, dann gäbe es
vielleicht auch schnell verschiedene Flügel die sich bekämpfen würden. Nicht selten
sind deshalb Gemeinden auseinander gepflogen, haben sich gespalten, weil Jung und
Alt ständig Streit hatten.

Aber es gibt auch die „normalen“ Cliquenbildungen, die man in einer großen Jugend
sicher nicht verhindern kann, denn man kann nun mal nicht mit über 100 Leuten in
ein Restaurant gehen, oder auf einer Freizeit passen nicht alle 40 Mädchen die
teilnehmen, in ein und dasselbe Zimmer und wollen es auch gar nicht. Logischer
Weise gibt es unterschiedliche Interessengruppen, Altersgruppen, Leute, die aus dem
gleichen Umfeld kommen etc. – nur exklusiv darf es nicht werden. Also, das kein
anderer mehr dazu kommen darf und man andere abweist. Auch ein Gegeneinander
egal, was dazu die Hintergründe sind, darf nicht sein, denn es widerspricht dem Geist
Christi. Die unterschiedlichen Gruppierungen und Freundesgruppen in unserer
Jugend sollten also für andere offen sein. Wir sollten uns nicht abschotten, sondern
aufeinander zugehen und ganz bewusst auch andere Leuten kennen lernen. Also, das
man mal andere für einen Spiele- oder Kinoabend einlädt, das die
Zimmerzusammensetzung auf einer Freizeit mal anders ist, das sich Hauskreise
untereinander besuchen, dass die Jungs für die Mädchen einen Abend gestalten und
umgekehrt – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

4. Ein gemeinsames Ziel

Ich danke Gott, dass ich niemand von euch getauft habe, außer Krispus und Gajus;
so kann doch niemand sagen, ich hätte auf meinen Namen getauft! Ich habe aber
auch das Haus des Stephanas getauft. Sonst weiß ich nicht, ob ich noch jemand
getauft habe; denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das
Evangelium zu verkündigen, und zwar nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz
des Christus entkräftet wird.

In Korinth schmückten sich offensichtlich einige damit, dass sie von jemand
bestimmten getauft worden waren. Paulus war daher froh, dass er da nicht mit
hineingezogen werden konnte, weil er kaum Leute getauft hatte und letztlich geht es
ihm nur darum, dass das Kreuz Christi nicht abgeschwächt wird. Entscheidend ist,
was ist unser Ziel? Warum machen wir Jugendarbeit? Wozu eine ARCHE Gemeinde?
Für Paulus war das Wichtigste, die frohe Botschaft von Jesus, das Wort vom Kreuz.
Das jedoch nicht nur so mit netten Worten, sondern wir sollen es im Herzen haben
und danach leben. Das Kreuz Christi darf in keiner Weise entkräftet werden. Nicht
durch unsere menschlichen Weisheiten, durch unser Reden und auch nicht durch
unser Handeln. D.h. bei diesem Thema „Warnung vor Uneinigkeit“, soll es uns darum
in erster Linie gehen, dass wir alle gemeinsam einem HERRN folgen. Jesus Christus
hat uns alle gerettet durch Seinen Tod am Kreuz, als er unsere Sünde auf sich nahm
und für uns die gerechte Strafe Gottes ertrug. Uns verbindet nicht der Sport, nicht
die Musik, nicht die Mode, nicht eine Nationalität, nicht einfach nur ein tolles
Programm oder Philosophie. Nein, denn dann kann man auch in einen Sportverein
gehen, in einen Chor, oder in eine Partei eintreten, oder zum sprichwörtlichen
„Kaninchenzüchterverein“ wechseln – uns geht es um das Kreuz. Darum sammeln wir
uns um das Kreuz – es ist unsere Rettung, es ist unsere Hoffnung! Und wenn wir alle
so auf Jesus und das Kreuz fixiert sind, dann haben wir auch Liebe für unseren
Nächsten und Streit und Spaltungen werden keine Chance haben und wo doch etwas
Trennendes auftaucht, dürfen wir am Kreuz Versöhnung und Widerherstellung
erfahren. Paulus hat der Gemeinde in Ephesus, von wo aus er den Brief an die
Korinther geschrieben hatte, zugerufen: „So ermahne ich euch nun, ich, der
Gebundene im Herrn, dass ihr der Berufung würdig wandelt, zu der ihr berufen
worden seid, indem ihr mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe
ertragt und eifrig bemüht seid, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band
des Friedens: Ein Leib und ein Geist, wie auch ihr berufen seid zu einer Hoffnung
eurer Berufung; ein HERR, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, über
allem und durch alle und in euch allen.“ (Epheser 4,1-5) Wir sind doch ein Leib und
Christus ist das Haupt! Christus kann man nicht zerteilen! Ist unser Herz voller
Frieden und Liebe den anderen gegenüber oder ist da Groll und Bitterkeit? Sind wir
Eins, oder fetzen wir uns? Wir sind aufgerufen uns zu prüfen und ggf. aufeinander
zuzugehen und unsere Verhältnisse zu klären, einander zu vergeben und in die Arme
zu nehmen. Einer unserer Leitsätze als ARCHE Jugend lautet: „Während wir echte
Freundschaften leben und Jesus in Einheit und mit Hingabe dienen.“ So soll es sein –
gemeinsam für Jesus!

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